Die Route im Überblick
Der Sentiero degli Dei, der Pfad der Götter, verbindet Bomerano, einen Ortsteil von Agerola, mit Nocelle hoch über Positano. Der Name geht auf eine Legende zurück, nach der die Götter über diesen Weg eilten, um Odysseus vor den Sirenen der Inseln Li Galli zu retten. Bis zum Bau der Küstenstraße war der Pfad eine der wichtigsten Verbindungen zwischen den Orten an der Küste und in den Bergen.
Die klassische Strecke führt fast durchgehend bergab, mit wenigen kurzen Gegenanstiegen. Je nach Quelle und Variante misst sie bis Nocelle knapp 8 bis 9 Kilometer, über Straße, breite Stufen und Erdwege, teils auch über felsigen Grund. Der Touring Club Italiano nennt für die wichtigsten Punkte folgende Höhen:
| Wegpunkt | Höhe | Was Sie dort erwartet |
|---|---|---|
| Bomerano (Agerola), Piazza | 640 m | Start, Bushaltestelle, Informationstafeln |
| Grotta del Biscotto | 524 m | Grotte am Weg mit Brunnen |
| Colle Serra | 578 m | Sattel, Abzweig der Treppen nach Praiano |
| Nocelle (Positano) | 428 m | Ende des klassischen Wegs, Ortsbus |
| Positano, Küste | Meereshöhe | über rund 1.700 Stufen erreichbar |
Bomerano (Agerola): Start auf der Piazza von Bomerano mit Haltestelle der SITA-Busse aus Amalfi.
So kommen Sie nach Bomerano
Weil Start und Ziel weit auseinanderliegen, ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln die beste Wahl. Die SITA-Linie Amalfi-Agerola fährt über Furore nach Agerola und hält in Bomerano; laut Sommerfahrplan 2026 gibt es mehrere Fahrten am Vormittag. Aus Neapel führt eine weitere SITA-Linie über Castellammare und Gragnano nach Agerola, ebenfalls mit Halt in Bomerano.
Eine Alternative bietet die Reederei Travelmar: Sie kombiniert ihre Fähren mit einem Shuttlebus von Amalfi nach Bomerano. So erreichen Sie den Start auch von Salerno, Vietri, Cetara, Maiori, Minori oder Positano aus mit einer Buchung. Laut Travelmar stehen in Bomerano in der Nähe des Hotels Gentile Informationstafeln des Regionalparks Monti Lattari zum Weg; von dort führt eine Nebenstraße zu den ersten rot-weißen Markierungen des Club Alpino Italiano (CAI).
Wer mit dem Auto nach Bomerano fährt, muss es nach der Wanderung wieder abholen, und der Rückweg von Positano nach Agerola mit Bus und Umstieg in Amalfi kostet Zeit. Wie Sie Bus und Fähre an der Küste kombinieren, steht im Beitrag Amalfiküste ohne Mietwagen.
Unterwegs: Markierung und Orientierung
Der Weg ist rot-weiß markiert. Auf der Wanderkarte der Monti Lattari, die die CAI-Sektionen Neapel und Cava de' Tirreni herausgeben, tragen die Abschnitte die Nummern 27 und 31; auf Schildern vor Ort tauchen teils andere Nummern auf. Der Touring Club weist darauf hin, dass Markierungen stellenweise wenig sichtbar oder von Pflanzen verdeckt sind und dass der Untergrund an manchen Stellen schmal oder rutschig ist.
Nach dem Start geht es zunächst bergab bis zur Grotta del Biscotto, einer Grotte am Weg, an der laut Touring Club ein Brunnen steht. Danach verläuft der Pfad als schmaler Weg am Hang, mit Blick auf Praiano, die Küste und das offene Meer. Am Colle Serra trifft der Treppenweg aus Praiano auf die Route; wer in Praiano wohnt, kann hier einsteigen, muss aber zuerst viele Stufen aufwärts gehen. Der letzte Abschnitt führt mit kleinem Auf und Ab nach Nocelle, einem kleinen Ortsteil von Positano.
Verwechseln Sie die klassische Route nicht mit dem oft als oberer Götterpfad bezeichneten Weg. Er führt von Bomerano über den Monte Tre Calli mit rund 1.111 Metern nach Montepertuso und ist wegen der vielen Höhenmeter deutlich anstrengender. Für die meisten Gäste ist der untere, klassische Weg die richtige Wahl. Unterwegs passieren Sie bewirtschaftete Terrassen, Gärten und Weiden: Bleiben Sie auf dem Pfad, schließen Sie Gatter hinter sich und nehmen Sie Ihren Abfall wieder mit.

Von Nocelle hinunter nach Positano
In Nocelle haben Sie zwei Möglichkeiten. Die bequemere ist der Ortsbus von Positano, der von Nocelle über Montepertuso hinunter in den Ort fährt. Besorgen Sie die Fahrscheine möglichst vorher, etwa in Positano oder Amalfi, denn im Bus werden sie nicht immer verkauft. In der Hochsaison kann der Bus voll sein, rechnen Sie mit Wartezeit.
Die zweite Möglichkeit ist der Abstieg über rund 1.700 Stufen bis zur Küstenstraße im Ortsteil Arienzo, von dort geht es zu Fuß weiter ins Zentrum. Die Treppe belastet die Knie, Stöcke helfen. Wer in Positano ankommt, kann mit der Fähre nach Amalfi, Minori, Maiori, Cetara oder Salerno zurückfahren; Travelmar bietet diese Kombination aus Wanderung und Schiff ausdrücklich an. Dazu passt am nächsten Tag ein Blick auf dieselben Hänge vom Wasser aus, Ideen dafür finden Sie im Beitrag über Bootsausflüge an der Amalfiküste.

Schwierigkeit, Dauer und Ausrüstung
Der Touring Club Italiano stuft die Strecke als Wanderung der Kategorie E ein, also als markierten Wanderweg ohne Kletterstellen, für den Trittsicherheit, etwas Kondition und festes Schuhwerk nötig sind. Für seine geführte Gruppenwanderung rechnet er mit rund sechs Stunden einschließlich Pausen. Wer zügig geht und wenig anhält, braucht weniger; planen Sie trotzdem einen halben Tag ein. Wer unter Höhenangst leidet, sollte bedenken, dass der Weg an manchen Stellen über steil abfallendem Gelände verläuft.
Zur Ausrüstung empfiehlt der Touring Club leichte Wanderschuhe statt Turnschuhe, mindestens anderthalb Liter Wasser ohne Kohlensäure, Sonnenbrille, Hut, eine Windjacke und Proviant. Verlassen Sie sich nicht allein auf den Brunnen an der Grotta del Biscotto. Ergänzen Sie Sonnenschutz, ein kleines Pflasterset und etwas Bargeld für Bus und Getränke. Ein leichter Rucksack ist besser als eine Umhängetasche, weil Sie auf den Stufen die Hände frei haben.
Die beste Zeit für den Götterpfad
Der Weg liegt überwiegend in der Sonne. An der Messstation Neapel-Capodichino liegen die mittleren Tageshöchstwerte im Juli und August bei 30 bis 31 Grad (Mittel 1991 bis 2020), im April und Oktober bei rund 19 bis 23 Grad. Angenehmer sind deshalb Frühling und Herbst. Im Sommer starten Sie am besten früh am Morgen und meiden die Mittagsstunden auf den ungeschützten Abschnitten.
Nach starkem Regen sind felsige Passagen rutschig, dann lohnt es sich, einen Tag zu warten. Der Weg ist sehr beliebt, an Wochenenden und im Sommer begegnen Sie vielen anderen Wandernden; an schmalen Stellen heißt das warten und ausweichen. Welche Monate sich insgesamt eignen, zeigt das Werkzeug Reisezeit, mehr über die Region finden Sie auf der Seite Amalfiküste.



