Warum das Tal Welterbe ist
Das Val d'Orcia ist keine unberührte Natur, sondern eine gestaltete Landschaft. Als Siena das Tal im 14. und 15. Jahrhundert in sein Gebiet eingliederte, investierten Kaufleute in Landwirtschaft, Höfe und befestigte Dörfer; das Ergebnis sollte gutes Regieren sichtbar machen und zugleich schön aussehen. So beschreibt es die UNESCO, die das Tal 2004 als Kulturlandschaft aufnahm. Die geschützte Fläche umfasst laut Welterbezentrum 61.188 Hektar, ihre Grenzen entsprechen denen des Parks Val d'Orcia, den die Gemeinden Montalcino, Pienza, San Quirico d'Orcia, Castiglione d'Orcia und Radicofani gemeinsam verwalten.
Typisch sind flache Kreideebenen, aus denen fast kegelförmige Hügel mit Ortschaften aufsteigen, dazu Zypressengruppen und Zypressenalleen, die Höfe und Wege markieren. Die Maler der Sieneser Schule haben diese Ordnung in ihren Bildern festgehalten, und durch das Tal führt die alte Pilgerstraße Via Francigena mit Abteien, Herbergen und Brücken. Wer das Tal in Ruhe erleben will, behandelt es nicht als Kulisse: Die Felder sind Arbeitsflächen, viele Zufahrten zu Höfen sind privat.
Liegt gleich östlich des Parks und ist das Ziel am Morgen des ersten Tags. Aus dem nahen Montepulciano kommt der Vino Nobile.
Papst Pius II. ließ seinen Geburtsort ab 1459 zur Idealstadt der Renaissance umgestalten, Herzstück ist die Piazza Pio II. Kommen Sie am frühen Abend, wenn die Busgruppen abgefahren sind, und bleiben Sie für den Blick über das Tal.
Hügelort mit Festung am Westrand des Tals und Heimat des Brunello di Montalcino. Melden Sie Verkostungen auf den Weingütern vorab an oder probieren Sie in einer Enoteca im Ort und gehen Sie zu Fuß.
Mittelpunkt des Weilers ist ein großes Thermalbecken, die Piazza delle Sorgenti; die Quellen sind rund 49 Grad warm. Im alten Becken darf man nicht baden, warmes Wasser bieten die Thermalbäder der Hotels im Ort.
Nur wenige Minuten von Bagno Vignoni entfernt an der Via Francigena, gut für ein Abendessen nach dem Thermalbesuch. Als Standort passt der Ort, wenn Sie abends zu Fuß essen gehen möchten.
Ort mit Festung im Süden, Ziel am dritten Tag nach Bagno Vignoni und Rocca d'Orcia mit der Burg Tentennano.
Pienza: die Idealstadt eines Papstes
Pienza hieß im Mittelalter Corsignano. Enea Silvio Piccolomini, hier geboren und 1458 zum Papst gewählt, beschloss 1459 als Pius II., seinen Geburtsort neu zu gestalten. Der Architekt Bernardo Rossellino setzte dabei die Ideen seines Lehrers Leon Battista Alberti um. Laut UNESCO wurden hier erstmals städtebauliche Konzepte der Renaissance verwirklicht; das historische Zentrum ist seit 1996 Welterbe.
Herzstück ist die Piazza Pio II mit dem Palazzo Piccolomini, dem Palazzo Borgia und der Kathedrale, deren Fassade ganz der Renaissance gehört, während das Innere an spätgotische Kirchen Süddeutschlands erinnert. Kommen Sie am frühen Abend, wenn die Busgruppen abgefahren sind, und gehen Sie danach am Rand der Altstadt entlang, wo sich der Blick über das Tal öffnet. Pienza ist auch für seinen Pecorino bekannt, den die Läden im Ort in verschiedenen Reifestufen verkaufen.

Montalcino und der Brunello
Montalcino liegt auf einem Hügel am Westrand des Tals, überragt von seiner Festung. Bekannt ist der Ort für den Brunello di Montalcino. Laut Konsortium wird er aus Sangiovese gekeltert, der hier traditionell Brunello heißt, reift mindestens zwei Jahre im Holz und mindestens vier Monate in der Flasche und darf erst ab dem 1. Januar des fünften Jahres nach der Lese verkauft werden, die Riserva ein Jahr später. Der jüngere Rosso di Montalcino kommt bereits ab dem 1. September des Folgejahres in den Handel.
Für Verkostungen melden Sie sich bei den Weingütern vorab an; spontane Besuche sind auf vielen Gütern nicht vorgesehen. Planen Sie die Probe so, dass Sie danach nicht mehr weit fahren müssen, oder verkosten Sie in einer Enoteca im Ort und gehen zu Fuß. Von Montalcino aus lohnt ein Abstecher zur romanischen Abtei Sant'Antimo unterhalb von Castelnuovo dell'Abate.
Neben Brunello und dem Vino Nobile aus dem nahen Montepulciano gibt es im Tal eine kleinere Herkunftsbezeichnung, die Orcia DOC. Ihre Weine stammen oft von Familienbetrieben, die nur geringe Mengen erzeugen, und sind außerhalb der Gegend selten zu finden; manche Höfe im Tal bieten eigene Verkostungen dazu an. Zum Essen gehören hier die Pici, dicke, von Hand gerollte Nudeln, die Sie mit Ragù, Knoblauch-Tomaten-Sauce oder Brotbröseln auf vielen Speisekarten finden. Wer sie selbst rollen möchte, findet im Tal Kurse, etwa auf dem Agriturismo Cretaiole.
Bagno Vignoni und San Quirico d'Orcia
Bagno Vignoni ist ein Weiler der Gemeinde San Quirico d'Orcia, dessen Mittelpunkt kein Platz im üblichen Sinn ist, sondern ein großes Thermalbecken, die Piazza delle Sorgenti. Die Quellen sind laut regionalem Tourismusportal rund 49 Grad warm; schon die Römer schätzten sie, im Mittelalter weilten Katharina von Siena und Lorenzo de' Medici hier. Baden ist im alten Becken nicht mehr möglich. Wer ins warme Wasser möchte, nutzt die Thermalbäder der Hotels im Ort.
Unterhalb des Platzes liegt der Parco dei Mulini. Dort nutzten vier Mühlen, teils in den Fels gebaut, das Gefälle zwischen Quelle und Orcia; dank des warmen, gleichmäßig fließenden Wassers liefen sie auch im Sommer. Erwähnt werden die Mühlen schon in einer Urkunde von 1207. Ins nahe San Quirico d'Orcia sind es nur wenige Minuten; der Ort liegt an der Via Francigena und eignet sich gut für ein Abendessen nach dem Thermalbesuch.

Zwei oder drei Tage: ein ruhiger Plan
Die Entfernungen im Tal sind kurz, die Straßen aber kurvig. Teilen Sie die Orte nach Himmelsrichtung auf und halten Sie die Mittagsstunden für Essen und Pause frei.
- Tag 1, Osten: Am Morgen Montepulciano gleich östlich des Parks, mittags das Dorf Monticchiello, am späten Nachmittag Pienza mit dem Blick über das Tal zum Sonnenuntergang.
- Tag 2, Westen: Vormittags Montalcino mit Festung und gebuchter Verkostung, nachmittags die Abtei Sant'Antimo, abends Essen in San Quirico d'Orcia.
- Tag 3, Süden: Früh nach Bagno Vignoni, an kühlen Morgen dampft das Becken sichtbar. Danach Rocca d'Orcia mit der Burg Tentennano und Radicofani mit seiner Festung.
Wenn Sie nur einen Tag haben, kombinieren Sie Pienza am Vormittag mit Bagno Vignoni am Nachmittag; beide Orte liegen nur wenige Kilometer auseinander. An bekannten Fotomotiven wie der Kapelle der Madonna di Vitaleta parken Sie nur an ausgewiesenen Stellen und bleiben auf den Wegen, denn die Felder ringsum werden bewirtschaftet.
Wann reisen, wo wohnen
Im Frühjahr sind die Getreidefelder grün, im Hochsommer abgeerntet und die Hügel strohgelb. Im September und Oktober wird gelesen, und das Licht wird weicher. Mittags kann es im Sommer sehr heiß werden; die schönsten Stunden für Spaziergänge und Fotos sind der frühe Morgen und der Abend.
Als Standort eignen sich Pienza oder San Quirico d'Orcia, wenn Sie abends zu Fuß essen gehen möchten, oder ein Hof in der Umgebung, wenn Sie Ruhe suchen und ohnehin mit dem Auto unterwegs sind. Das Agriturismo Cretaiole etwa liegt an der Staatsstraße 146 wenige Fahrminuten von Pienza und vermietet Apartments für Selbstversorger. Wie sich das Val d'Orcia in eine Rundreise fügt, zeigt Toskana in sieben Tagen; wer den Wein in den Mittelpunkt stellen möchte, findet Hinweise im Beitrag Weingut mit Übernachtung.




