Oliven am 46. Breitengrad
Der Ölbaum ist eine Pflanze des Mittelmeers, und doch wächst er am Gardasee seit Jahrhunderten. Laut der Handelskammer Trento erreicht er hier, auf Höhe des 46. Breitengrads, eine der nördlichsten Grenzen seines Anbaus auf der Nordhalbkugel. Möglich macht das ein mildes, gut durchlüftetes Klima: Der größte See Italiens und die Hügel, die von Bergen umrahmt sind, schaffen ein eigenes Mikroklima, das laut Konsortium Olio Garda DOP dem Mittelmeerklima ähnelt.
Die Geschichte reicht weit zurück. Der Ölbaum ist am See laut Konsortium bereits im 7. Jahrhundert belegt, ein langobardisches Edikt bestrafte, wer Ölbäume beschädigte, und im Mittelalter war Öl vom Garda so wertvoll, dass vier bis sechs Kilogramm so viel wert sein konnten wie ein Schwein. Viele der Terrassen an den Hängen entstanden in der Renaissance.
Garda DOP: das Olivenöl vom See
Seit 1997 ist Garda eine geschützte Ursprungsbezeichnung (DOP) für natives Olivenöl extra. Das Gebiet umfasst die Ufer in den Provinzen Brescia, Verona, Mantua und Trento, und alle Schritte von der Ernte bis zur Abfüllung finden in den Gemeinden rund um den See statt. Auf dem Etikett kann eine Zusatzbezeichnung stehen: Garda Bresciano, Garda Orientale oder Garda Trentino. Die wichtigsten Sorten sind Casaliva, Frantoio und Leccino. Die Casaliva, im Trentino auch Gargnà genannt, hat eine Besonderheit: Ihre Oliven werden laut Handelskammer Trento nie ganz schwarz, auch nicht in voller Reife.
Geschmacklich beschreibt das Konsortium das Öl als leicht bis mittel fruchtig, mit Noten frischer Oliven, ausgewogen zwischen Bitterkeit und Schärfe und mit einem Nachklang von Mandeln. Geerntet wird im Herbst; im Trentino meist noch von Hand zwischen November und Dezember, bevor die Früchte ganz reif sind. Die Handelskammer beschreibt das Trentiner Öl als grün mit goldenen Reflexen, mit Duft nach Kräutern, Mandel und Artischocke.
Beim Kauf: Achten Sie auf die Bezeichnung Garda DOP und das Erntejahr, kaufen Sie in dunklen Flaschen oder Kanistern und lagern Sie das Öl, wie das Konsortium rät, geschützt vor Licht und Wärme. Wie eine Ölmühle arbeitet, zeigt die Ölmühle Manestrini in Soiano del Lago: Dort werden die Oliven innerhalb von 24 Stunden nach der Anlieferung verarbeitet, Besuche mit Verkostung sind nach Reservierung möglich.

Lugana: der Weißwein vom Südufer
Südlich des Sees, zwischen Desenzano, Sirmione, Lonato, Pozzolengo und Peschiera del Garda, liegt das Gebiet des Lugana. Vier der fünf Gemeinden gehören zur Provinz Brescia und damit zur Lombardei, Peschiera zu Verona und Venetien. Der Wein stammt heute meist zu 100 Prozent aus der Rebsorte Turbiana; das Regelwerk erlaubt bis zu zehn Prozent andere, nicht aromatische weiße Sorten. Die Reben stehen auf geschichteten, meist kalkhaltigen Tonböden aus der Moränenzeit, die in den Hügeln sandiger werden. Laut Konsortium umfasst das Gebiet über 2.000 Hektar Rebfläche, und die Brisen vom See sorgen für ein mildes, ausgeglichenes Klima.
| Typ | Was ihn ausmacht (laut Consorzio Tutela Lugana) |
|---|---|
| Lugana | frischer Jahrgangswein, fast 90 Prozent der Produktion |
| Lugana Superiore | seit 1998, mindestens ein Jahr Reife ab der Lese |
| Lugana Riserva | mindestens 24 Monate Reife, davon 6 in der Flasche |
| Lugana Vendemmia Tardiva | späte Lese von Ende Oktober bis Anfang November, dichter und etwas süßer |
| Lugana Spumante | Schaumwein im Tank- oder Flaschengärverfahren, seit 1975 im Regelwerk |
Eine Unterkunft mitten im Gebiet, mit eigener Kellerei, Weinproben und Restaurant, stellt die Redaktion mit Selva Capuzza vor.
Bardolino und Chiaretto: Rot und Rosé vom Ostufer
Am Ostufer und in seinem Hinterland wächst der Bardolino. Das Anbaugebiet liegt auf den Moränenhügeln des Gletscheramphitheaters am Veroneser Ufer, mit einem Mosaik aus mediterranem Klima am See, kontinentalem im Hinterland und Bergklima in der Höhe. Die Classico-Zone umfasst die Gemeinden Affi, Bardolino, Garda, Lazise, Costermano sul Garda und Cavaion Veronese; Torri del Benaco gehört zum erweiterten Gebiet, hat aber heute laut Konsortium kaum noch Reben, dort dominieren Olivenbäume.
Aus denselben Trauben wie der rote Bardolino entsteht der Chiaretto di Bardolino, ein Rosé mit kurzer Maischestandzeit. Die Corvina darf bis zu 95 Prozent ausmachen, die Rondinella mindestens 5 Prozent. Das Konsortium beschreibt ihn als zartes Blütenblattrosa, frisch, trocken, mit deutlicher salziger, mineralischer Note, die es den Moränenböden zuschreibt. Es empfiehlt, ihn bei 8 bis 10 Grad zu servieren und innerhalb von ein bis zwei Jahren zu trinken. Den Chiaretto gibt es auch als Schaumwein, meist im Tankgärverfahren, bei einigen Erzeugern auch nach der klassischen Methode.

Valtènesi: der Rosé der Groppello-Traube
Am Südwestufer, auf den Moränenhügeln der Brescianer Seite, liegt die Valtènesi. Ihr Rosé hat eine erstaunlich genau datierte Geschichte: Pompeo Molmenti, Senator aus Venedig, früherer Bürgermeister von Moniga del Garda und begeisterter Weinbauer, entwickelte 1896 eine Methode für Rosé aus Groppello-Trauben, angeregt durch die Landschaft am See und durch Reisen nach Frankreich. Die Trauben wurden sanft gepresst und nur wenige Stunden mit den Schalen in Kontakt gelassen, was dem Wein seine helle rosa Farbe gab. Daher stammt der Name „vino di una notte“, Wein einer Nacht. Laut Consorzio Valtènesi folgt die Bereitung im Kern bis heute diesem Prinzip, auch wenn sich Technik und Erfahrung weiterentwickelt haben.
Wer die Gegend besucht, findet zwischen Weinbergen auch Olivenhaine; in Soiano del Lago liegt die bereits erwähnte Ölmühle Manestrini. Ruhige Ziele in der Valtènesi wie die Rocca di Manerba beschreibt der Beitrag Gardasee abseits der bekannten Orte.
So probieren Sie vor Ort
- Reservieren: Viele Kellereien und Ölmühlen empfangen Besucher nur nach Anmeldung, bei Manestrini etwa mit mindestens 48 Stunden Vorlauf.
- Zur richtigen Zeit: Olivenernte und Pressung laufen von Ende Oktober bis Dezember, der Lugana Vendemmia Tardiva wird Ende Oktober bis Anfang November gelesen.
- Kombinieren: Lugana und Valtènesi liegen nah beieinander im Südwesten, Bardolino gegenüber am Ostufer; die Fähre zwischen Maderno und Torri del Benaco oder die Linienschiffe verbinden die Seiten.
- Zum Aperitivo: Ein Glas Chiaretto oder Lugana passt zur italienischen Vorabendkultur, mehr dazu im Beitrag Aperitivo.
- Nicht selbst fahren: Nach einer Weinprobe sind Bus und Schiff die bessere Wahl; wie das funktioniert, lesen Sie unter Gardasee ohne Auto.





