Hundert Jahre nach den Anfängen blickt Ducati auf die eigene Formensprache zurück, und das an einem Ort mit langer Geschichte. Bei der 22. Ausgabe der Autostyle Design Competition, die am 8. und 9. Oktober in der Abtei von Polirone in San Benedetto Po bei Mantua stattfand, war das Werk aus Borgo Panigale der einzige Motorradhersteller. Die Marke nutzte ihr Jubiläumsjahr, um zu zeigen, wie sich ihr Design von 1926 bis heute entwickelt hat.
Ein Treffpunkt der Gestalter
Autostyle wird von Berman S.p.A. ausgerichtet und bringt seit mehr als zwanzig Jahren Designerinnen und Designer großer Automobilhersteller und anderer Branchen zusammen. Man tauscht Erfahrungen aus, stellt neue Projekte vor und spricht darüber, wohin sich die Gestaltung bewegt. Ein fester Teil der Veranstaltung gehört dem Nachwuchs: In einem internationalen Wettbewerb werden die besten Arbeiten von Studierenden aus Schulen und Hochschulen in aller Welt ausgezeichnet.
Dass ein Motorradhersteller in diesem Kreis auftritt, passt zum Selbstverständnis des Hauses. Ducati betont, welche zentrale Rolle Design in seiner Philosophie spielt und wie wichtig ihm die Ausbildung junger Menschen ist.

Hundert Jahre in wenigen Modellen
Andrea Ferraresi, bei Ducati Direktor für Strategie und das Centro Stile, und Senior Designer Mirko Pocobello führten anhand ausgewählter Modelle durch die wichtigsten Etappen. Sie zeigten, wie sich die Formensprache über die Jahrzehnte verändert hat und dennoch drei Grundwerten treu geblieben ist. Die Marke nennt sie Style, Sophistication und Performance, also Stil, Raffinesse und Leistung.
Gerade dieser Dreiklang erklärt, warum ein Motorrad aus Bologna auf einer Designveranstaltung neben großen Namen der Automobilwelt bestehen kann. Es geht nicht nur um Technik, sondern um Proportion, Linie und Wirkung.

Superleggera V4 Centenario: Form und Technik nebeneinander
Als jüngsten Ausdruck dieser Werte stellte Ducati die Superleggera V4 Centenario aus, und zwar zusammen mit ihrer mechanischen Basis. So ließ sich unmittelbar sehen, was ein Grundsatz des Ducati-Designs bedeutet: die Verbindung von Stil und Funktion. Wer vor Rahmen und Motor ohne Verkleidung stand, konnte die Linien des fertigen Motorrads mit der Technik darunter vergleichen.
Die Maschine wurde im März vorgestellt und ist auf 500 nummerierte Exemplare limitiert. Ducati bezeichnet sie als das extremste straßenzugelassene Motorrad, das in Borgo Panigale je entstanden ist.

Rosso Centenario, die Farbe des Jubiläums
Auffällig ist die Lackierung Rosso Centenario. Ducati hat sie zum hundertjährigen Bestehen entwickelt, und sie diente als Vorlage für die offiziellen Farben der Desmosedici GP in der MotoGP und der Panigale V4 R in der Superbike. Ein einziger Farbton verbindet damit das Straßenmotorrad mit den Rennmaschinen des Hauses.

Gestaltung mit Auszeichnung
Ducati beschreibt sein Design als Verbindung aus anspruchsvoller Technik, schönen Formen und italienischem Sportgeist, mit dem Ziel, Motorräder zu bauen, die Emotionen wecken. Dieser Ansatz hat dem Hersteller über die Jahre zahlreiche Preise eingebracht: den traditionsreichen italienischen Compasso d'Oro, den europäischen iF Design Award und den Red Dot Design Award sowie den Good Design Award, einen der international bekanntesten Designpreise aus den Vereinigten Staaten.
Für alle, die Italien über seine Gestaltung erleben, ist der Auftritt ein gutes Beispiel dafür, wie selbstverständlich hier Geschichte und Gegenwart zusammenfinden: eine Abtei als Bühne, ein Motorrad als Ausstellungsstück und ein Publikum, das über Linien, Farben und Proportionen spricht.



