Was „abseits“ am Gardasee heißt
Der Gardasee ist Italiens größter See, und an einigen Stellen merkt man das im Sommer vor allem an den Menschenmengen: auf der Halbinsel von Sirmione, an den Uferpromenaden von Malcesine, Limone, Bardolino und Lazise. Ruhe ist hier selten eine Frage großer Entfernungen. Meist genügt es, ein paar Kilometer weiterzufahren, ein paar hundert Höhenmeter aufzusteigen oder den Besuch in den Morgen, den Frühling oder den Herbst zu legen.
Die folgenden Ziele hat die Redaktion so ausgewählt, dass jedes einen eigenen Grund für den Besuch liefert: Geschichte, Aussicht, Landwirtschaft oder einen Weg, den es an der Uferstraße nicht gibt. Zu jedem Ort lesen Sie, wann er sich lohnt und wie Sie ihn erreichen.
Ortsteile wie Villa und Bogliaco am Wasser, Reliefs mit Zitrusfrüchten im Kreuzgang von San Francesco und mit La Malòra eine Limonaia, die Sie besichtigen können. Gute Reisezeit: April bis Juni und September.
Heiligtum bei Tignale auf einem Felssporn hoch über dem See, mit Blick vom Monte Baldo bis zur Halbinsel von Sirmione. Vom ersten Bildstock des Kreuzwegs auf 574 Metern steigen Sie in etwa 30 Minuten steil hinauf.
Ziel der Strada della Forra, die von Porto di Tremosine rund sechs Kilometer durch die Schlucht des Brasa hinaufführt. Oben liegen Weiler, Wiesen und Agriturismi; die Straße ist häufig gesperrt, prüfen Sie den Zustand vor der Fahrt.
Mittelalterlicher, fast verlassener Weiler am Fuß des Monte Baldo mit Olivenhainen, Steinhäusern, Resten einer Burg und einer romanischen Kirche. Sie erreichen ihn zu Fuß auf alten Maultierpfaden, feste Schuhe und Wasser gehören in den Rucksack.
Landzunge rund drei Kilometer westlich von Garda: Eine Allee alter Zypressen führt durch einen Olivenhain zur Villa Guarienti, neben dem kleinen Hafen liegt die Bucht Baia delle Sirene. Kommen Sie außerhalb der Sommerwochenenden, früh am Morgen oder am späten Nachmittag.
Felsen über der Valtènesi mit Blick auf See, Weinberge und Olivenhaine bis zum Monte Baldo, dazu Burgreste, ein archäologisches Museum und romanische Kapellen mit Fresken. Mit Arriva-Bussen ab Desenzano oder Salò erreichbar.
Mittelalterliches Dorf oberhalb von Riva del Garda mit Steinhäusern, Laubengängen und engen gepflasterten Gassen, etwa eine halbe Stunde zu Fuß vom Lago di Tenno. Im August feiert der Ort das Fest Rustico Medioevo.
Westufer: Gargnano, Tignale und Tremosine
Gargnano: Zitronen, Kreuzgang und Segelgeschichte
Gargnano liegt am oberen Westufer zwischen Toscolano Maderno und Limone und reiht mehrere Ortsteile am Wasser auf, darunter Villa mit seinem kleinen Hafen und Bogliaco. Der Ort ist eng mit der Geschichte der Zitrusfrüchte am See verbunden. Laut dem Tourismuskonsortium Lago di Garda Lombardia pflanzten Franziskaner in Gargnano schon im 13. Jahrhundert Zitronen in großen Terrakottagefäßen; Reliefs mit Zitrusfrüchten an den Kapitellen im Kreuzgang von San Francesco erinnern daran. Später entstanden die Limonaie, terrassierte Gärten mit hohen Steinpfeilern, über die man von November bis März Dächer aus Holz und Glas legte. Eine dieser Anlagen, die Limonaia La Malòra der Familie Gandossi, kann besichtigt werden; dort wächst auch die alte Gardasee-Sorte Madernina.
Seglern ist Gargnano durch die Centomiglia bekannt, eine Regatta, die der Circolo Vela Gargnano seit 1951 Anfang September ausrichtet. Wann: April bis Juni und September, wenn die Zitronengärten grün und die Uferwege nicht überfüllt sind. Anreise: Gargnano hat Anleger der Linienschiffe und liegt an der Buslinie entlang der westlichen Uferstraße. Ein Haus mit historischer Limonaia im Garten stellt die Redaktion mit Villa Giulia in Gargnano vor.
Tignale: ein Heiligtum auf dem Felssporn
Auf einem Felssporn hoch über dem See steht das Santuario di Montecastello, auch Madonna della Stella genannt. Es wurde auf den Resten eines älteren kleinen Tempels errichtet, der später zu einer Burg umgebaut worden war. Von oben reicht der Blick laut Visit Brescia vom Monte Baldo bis zur Halbinsel von Sirmione. Am schönsten ist der Weg zu Fuß: Sie parken an der Straße zwischen Olzano und Prabione beim ersten Bildstock des Kreuzwegs auf 574 Metern und steigen in etwa 30 Minuten steil hinauf. In der Nebensaison kann man auch bis vor das Heiligtum fahren, die Zufahrt ist aber sehr steil und hat enge Kehren.
Unten am See lohnt die Limonaia Prà dela Fàm, die direkt am Ufer liegt und einen mehrsprachigen Rundgang per QR-Code bietet. Wann: Frühling und Herbst, damit der Aufstieg nicht in die Mittagshitze fällt. Die Öffnungszeiten des Heiligtums prüfen Sie am besten vorab beim Tourismusbüro von Tignale.
Tremosine: durch die Schlucht auf die Hochebene
Von Porto di Tremosine führt die Strada della Forra rund sechs Kilometer durch die Schlucht des Brasa hinauf nach Pieve di Tremosine. Die Straße wurde 1913 eröffnet; auf halber Strecke ist eine natürliche Felsenge so schmal, dass eine Ampel den Verkehr regelt. Laut dem staatlichen Tourismusportal Italiens ist sie häufig wegen Instandhaltung gesperrt, prüfen Sie den Zustand also vor der Fahrt. Oben verteilen sich Weiler, Wiesen und Agriturismi über die Hochebene, die Sie mit kleinen Bussen von Arriva auch ohne Auto erreichen. Wann: Mai, Juni, September und Oktober, möglichst früh am Tag.

Ostufer: Campo di Brenzone und Punta San Vigilio
Campo di Brenzone: ein Weiler am Maultierpfad
Oberhalb von Brenzone sul Garda, am Fuß des Monte Baldo, liegt Campo, ein mittelalterlicher Weiler, der heute fast verlassen ist. Steineichen und Olivenbäume umgeben ihn wie ein Amphitheater. Erreichbar ist Campo auf alten Maultierpfaden, unterwegs öffnet sich immer wieder der Blick auf den See. Oben finden Sie Olivenhaine, Steinhäuser, Reste einer Burg, eine romanische Kirche und einen Brunnen; die kleine Kirche San Pietro in Vincoli steht am Rand des Weilers. Jedes Jahr finden in Campo Konzerte und Kulturveranstaltungen statt.
Wann: März bis Juni und September bis November, am besten vormittags. Die Wege sind steil und steinig, feste Schuhe und Wasser gehören in den Rucksack. Der Weiler ist nicht ganz verlassen, respektieren Sie Gärten und Höfe. Anreise: Die Ortsteile von Brenzone am Ufer haben Schiffsanleger und liegen an der Buslinie entlang der östlichen Uferstraße.
Punta San Vigilio: Zypressen, Villa und kleiner Hafen
Westlich des Ortes Garda schiebt sich der letzte Ausläufer des Monte Baldo als Landzunge in den See. Eine lange Allee jahrhundertealter Zypressen führt durch einen Olivenhain zur Villa Guarienti, die laut der Region Venetien um 1540 entstand, vermutlich nach einem Entwurf des Architekten Michele Sanmicheli. Bauherr war Agostino Brenzoni, später ging der Besitz an die Grafen Guarienti. Der Garten folgt dem Muster eines italienischen Gartens der späten Renaissance. Am kleinen Hafen stehen eine sehr alte, mehrfach umgebaute Kirche und ein Gebäude mit doppelter Loggia, das heute ein Hotel ist. Daneben liegt die Bucht Baia delle Sirene, die im Sommer als Strandpark betrieben wird; Eintritt und Öffnungszeiten erfahren Sie beim Betreiber.
Wann: außerhalb der Sommerwochenenden, am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, wenn das Licht über den See auf die Zypressen fällt. Beachten Sie vor Ort die Hinweise, welche Bereiche zugänglich sind. Anreise: Der Ort Garda ist mit Bus und Schiff gut erreichbar, die Landzunge liegt rund drei Kilometer westlich davon.

Valtènesi: Moränenhügel und die Rocca di Manerba
Im Südwesten, zwischen Salò und Desenzano, liegt die Valtènesi, eine sanfte Hügellandschaft aus Moränen, in der Reben, Olivenbäume und kleine Dörfer abwechseln. Den besten Überblick haben Sie von der Rocca di Manerba: Vom Felsen über dem See reicht der Blick auf das Wasser, die Weinberge und Olivenhaine und hinüber zum Monte Baldo. Auf dem Gelände liegen die Reste einer der bedeutenden mittelalterlichen Burgen am Gardasee, dazu ein archäologisches Museum, romanische Kapellen mit Fresken und ein Naturschutzgebiet, die Riserva Naturale Orientata della Rocca e del Sasso.
Die Valtènesi ist auch die Heimat eines eigenen Rosés aus der Groppello-Traube; mehr dazu lesen Sie im Beitrag über Olivenöl, Lugana und Bardolino. Wer die Ölgewinnung aus der Nähe sehen will, findet in Soiano del Lago die Ölmühle Manestrini. Wann: Mai und Juni für Wanderungen, Ende Oktober bis Dezember zur Olivenernte. Anreise: mit Arriva-Bussen ab Desenzano oder Salò.
Hinterland im Norden: Canale di Tenno und der Tennosee
Oberhalb von Riva del Garda liegt Canale di Tenno, ein mittelalterliches Dorf, das fast unverändert erhalten ist: Steinhäuser, Laubengänge, Tonnengewölbe und enge gepflasterte Gassen. Der Ort gehört zur Vereinigung I Borghi più belli d'Italia. In der Casa degli Artisti, benannt nach dem Turiner Maler Giacomo Vittone, der Canale oft gemalt hat, finden Ausstellungen und Kulturveranstaltungen statt. Etwa eine halbe Stunde zu Fuß entfernt liegt der Lago di Tenno, ein kleines Schutzgebiet mit einer Insel in der Mitte.
Wann: Juni und September für Spaziergänge; im August lädt das Fest Rustico Medioevo mit Kostümen, Fackeln und regionalen Gerichten ein, im Winter ein Weihnachtsmarkt in den Gassen. Wer im Hochsommer am Nordufer wohnt, findet hier oben eine ruhige Halbtagestour.
So planen Sie die ruhigen Ziele
- Jahreszeit: April bis Juni und September bis Oktober verbinden mildes Wetter mit weniger Betrieb; Temperaturen und Andrang je Monat zeigt das Werkzeug Reisezeit.
- Tageszeit: Aussichtspunkte und enge Bergstraßen erleben Sie morgens entspannter als mittags.
- Schiff statt Auto: Gargnano, Brenzone und Garda haben Anleger; wie Sie Schiff, Bus und Bahn kombinieren, erklärt der Beitrag Gardasee ohne Auto.
- Sperrungen und Öffnungszeiten: Bergstraßen wie die Forra und kleine Heiligtümer haben wechselnde Zeiten; prüfen Sie sie kurz vor dem Besuch.
- Standort: Welche Seite des Sees als Basis passt, lesen Sie unter Gardasee Nord oder Süd.





