Chianti oder Chianti Classico: zwei verschiedene Weine
Die häufigste Verwechslung zuerst: Chianti und Chianti Classico sind zwei getrennte Herkunftsbezeichnungen. Das Chianti Classico ist das historische Kerngebiet zwischen Florenz und Siena, dessen Grenzen Großherzog Cosimo III. de' Medici laut Konsortium bereits 1716 festlegte. 1932 erlaubte ein Ministerialdekret den Zusatz „Classico“ für Wein aus diesem Gebiet, 1967 folgte der Status DOC, 1984 die DOCG. Seit 1996 ist Chianti Classico eine eigenständige DOCG, und seit 2010 darf in seinem Gebiet kein Chianti mehr erzeugt werden.
Das Gebiet umfasst 71.800 Hektar in den Provinzen Florenz und Siena. Vollständig dazu gehören die Gemeinden Castellina, Gaiole, Greve und Radda in Chianti, teilweise Barberino Tavarnelle, Castelnuovo Berardenga, Poggibonsi und San Casciano Val di Pesa. Chianti ohne den Zusatz Classico stammt aus einem größeren Gebiet rund um diesen Kern; auch dort gibt es gute Weine, sie folgen aber eigenen Regeln.
Der schwarze Hahn: was das Zeichen bedeutet
Der Gallo Nero ist älter als jedes Weingesetz. Laut Konsortium wählte die Lega del Chianti, ein von Florenz kontrollierter militärisch-politischer Bund, 1384 einen schwarzen Hahn auf goldenem Grund als Wappen. Giorgio Vasari malte ihn 1565 in seine Allegorie des Chianti im Palazzo Vecchio in Florenz. Als sich am 14. Mai 1924 in Radda 33 Erzeuger zum Konsortium zusammenschlossen, übernahmen sie den Hahn als Symbol.
Seit 2005 ist der Gallo Nero das Zeichen aller Chianti-Classico-Weine und erscheint auf jeder Flasche; 2013 wurde er grafisch überarbeitet. Für Sie heißt das: Ein schwarzer Hahn auf der Flasche weist auf Chianti Classico hin. Fehlt er, haben Sie einen anderen Wein in der Hand, etwa einen Chianti aus einem anderen Gebiet oder einen toskanischen Landwein.
Annata, Riserva, Gran Selezione: die drei Stufen
Das Konsortium beschreibt seine Weine als Pyramide aus drei Stufen. Alle bauen auf Sangiovese auf; die Unterschiede liegen im Anteil dieser Rebsorte, in der Reifezeit und in der Herkunft der Trauben.
| Stufe | Sangiovese | Reife mindestens | Alkohol mindestens | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Chianti Classico (Annata) | 80 Prozent | 12 Monate | 12 % vol. | bis 20 Prozent andere zugelassene rote Sorten |
| Riserva | 80 Prozent | 24 Monate, davon 3 in der Flasche | 12,5 % vol. | doppelt so lange Reife wie die Annata |
| Gran Selezione | 90 Prozent | 30 Monate, davon 3 in der Flasche | 13 % vol. | nur Trauben aus eigenen Weinbergen, Rest nur heimische rote Sorten, UGA auf dem Etikett möglich |
Die Annata, also der Jahrgangswein, ist der Chianti Classico für den Alltag und ein klassischer Essensbegleiter. Die Riserva reift doppelt so lange und hat meist mehr Struktur. Die Gran Selezione steht an der Spitze: Sie stammt laut Konsortium aus einer Einzellage oder einer Auswahl der besten Trauben des Guts und wird vom Gut selbst abgefüllt. Die höchstens zehn Prozent neben dem Sangiovese müssen heimische rote Sorten sein; internationale Sorten wie Merlot oder Cabernet sind bei der Gran Selezione also ausgeschlossen. Bei Annata und Riserva sind sie im Rahmen der 20 Prozent zugelassen, viele Erzeuger setzen aber auch dort auf heimische Sorten oder reinen Sangiovese.
Ein Blick zurück erklärt, warum. Das Rezept, das Baron Bettino Ricasoli 1872 festhielt, stellte den Sangiovese in den Mittelpunkt. Seit 1996 darf ein Chianti Classico laut Konsortium zu 100 Prozent aus Sangiovese bestehen, seit dem Jahrgang 2006 sind weiße Trauben im Verschnitt nicht mehr erlaubt, und es gilt ein Mindestanteil von 80 Prozent Sangiovese. Chianti Classico ist damit immer ein Rotwein.

UGA: elf Ortsangaben auf dem Etikett
Seit einer Änderung des Produktionsreglements, die die Mitgliederversammlung im Juni 2021 mit großer Mehrheit beschlossen hat, ist das Gebiet in elf Unità Geografiche Aggiuntive gegliedert, kurz UGA. Sie fassen Böden mit ähnlichen Eigenschaften zusammen und erlauben, den Namen eines Orts auf das Etikett zu setzen. In einer ersten Phase gilt das nur für die Gran Selezione, und die Angabe ist freiwillig.
In der geografischen Reihenfolge des Konsortiums heißen die elf UGA: San Casciano, Greve, Montefioralle, Lamole, Panzano, Radda, Gaiole, Castelnuovo Berardenga, Vagliagli, Castellina und San Donato in Poggio. Einige entsprechen ganzen Gemeinden, andere sind Teile davon. Wichtig für Käufer: Die UGA sind laut Konsortium keine Qualitätsklassifizierung, sie bescheinigen die Herkunft der Trauben. Ein Wein aus Panzano ist also nicht besser als einer aus Gaiole, sondern anders. Eine Gran Selezione mit UGA-Namen darf laut Konsortium bis zu 15 Prozent Trauben aus einer anderen UGA enthalten.

So lesen Sie Etikett und Weinkarte
Im Laden und im Restaurant helfen vier Fragen:
- Steht dort Chianti Classico, mit schwarzem Hahn? Dann stammt der Wein aus dem historischen Kerngebiet.
- Welche Stufe? Ohne Zusatz ist es die Annata, sonst steht Riserva oder Gran Selezione auf dem Etikett.
- Welcher Jahrgang? Eine Annata trinken Sie gern jung. Riserva und Gran Selezione vertragen oft einige Jahre mehr, fragen Sie im Zweifel den Händler oder Sommelier.
- Welcher Ort? Bei der Gran Selezione kann eine UGA stehen. Auf jedem Etikett finden Sie zudem den Abfüller mit Ort, der verrät, aus welcher Gegend des Gebiets der Wein kommt.
Zum Essen gilt eine einfache Faustregel: Die Annata passt zu Pasta mit Tomatensauce, Pizza und toskanischen Wurstwaren, Riserva und Gran Selezione zu Schmorgerichten, Wild und gereiftem Pecorino. Zur Bistecca alla fiorentina passen beide.
Chianti Classico vor Ort probieren
Am meisten lernen Sie im Gebiet selbst, wo Sie die Unterschiede zwischen den Orten direkt vergleichen können. Greve in Chianti, Panzano, Castellina, Radda und Gaiole liegen nah beieinander; die SR 222, die Chiantigiana, verbindet Florenz und Siena quer durch das Gebiet. Planen Sie zwei bis drei gebuchte Besuche pro Tag, nicht mehr, und übernachten Sie im Gebiet, damit nach der Verkostung niemand fahren muss.
Ein Gut, das Wein, Unterkunft und Küche an einem Ort bündelt, ist das Castello di Volpaia bei Radda in Chianti, das seine Weine nach eigenen Angaben biologisch erzeugt. Wie Sie ein passendes Weingut mit Zimmern finden, zeigt der Beitrag Weingut mit Übernachtung. Eine Woche mit einer Nacht im Chianti beschreibt Toskana in sieben Tagen, und wie der Aperitivo in Italien funktioniert, erklärt der Beitrag Aperitivo.




